Das Heroin des Deutschen Journalisten

Und schwupps wird „Augstein“ von einer jüdischen Inqusition verfolgt und wird so endgültig von Hartwig Tegeler zu einem zivilcouragierten Volkshelden hochstilisiert. Zudem lobt er den jüdischen Kronzeugen Salomon Korn für seine „vorbildliche Haltung“. Richtig so. DER Jude hat sich gefälligst zu fügen und bloß nicht nach Antisemiten zu suchen. Zwar gibt es in Deutschland Antisemitismus, aber keine Antisemiten. So lautet das Mantra Deutscher Journalisten – spätestens seit dem Erscheinen der SWC-Top-Ten.

Eine Definition, wann Antisemitismus tatsächlich beginnt, liefert uns Hartwig Tegeler auch. Nämlich bei „einem kriminellen Übergriff auf Juden“. Dann ist „eine rote Linie“ überschritten. Das mag man verstehen wie man will, ich verstehe das so: die „Kauft nicht bei Juden“ Aktion der Nazis: kein Antisemitismus, da kein krimineller Übergriff! Oder anders ausgedrückt: In der Zeit zwischen zwei Mahlzeiten, bin ich Vegetarier.

Ob so ein „Übergriff“ auch dann als antisemitisch bewertet wird, wenn ein Rabbi und 2 jüdische Kinder auf offener Strasse erschossen werden? Das dies nicht zwangsläufig der Fall ist, stellten Tegeler’s Kollegen im März des vergangenen Jahres fest. Es handelte sich lediglich um eine „einfache“ Gewalttat eines Serienmörders. Sein Hass auf Israel, Juden und Sympathien zu Al-Qaida, waren in dieser Analyse nur störend und überhaupt „nicht hilfreich“. Da war es wieder, das Lieblingshobby der Deutschen: Differenzieren!

Und genau das macht Tegeler. Er differenziert. Zwischen Juden mit einer „vorbildlichen Haltung“ wie Korn und solche die keine Vorbilder sind. Zwischen Antisemitsmus und „roten Linien“ sowie zwischen Katholischen und jüdischen Inquisitoren. Einzig zwischen Realität und Fiktion vermag er nicht zu differenzieren. So analysiert er einen Film von Maragarethe von Trotta über das Leben von Hannah Arendt und beschreibt lediglich eine Szene in dem Film, die zwar „fiktiv sein“ mag, aber einen perfekten Bezug zur „Augstein“-Debatte liefert. Wie Visionär von von Trotta, dass sie schon beim Drehen an die unfaire Behandlung von „Augstein“ dachte und in dem Film – wie früher die Beatles auf ihren Alben – eine versteckte Botschaft platzierte, die ausschließlich Herr Tegeler zu entdecken vermag. Gut für ihn!

Die Obsession des Deutschland Radio mit dem Thema „Augstein“ ist schon beinahe erschreckend und bedarf nicht wniger als einen therapeutischen Ansatz. Die Reflexe in den unzähligen Reportagen, Kommentaren und Interviews seit der Veröffentlichung der SWC-Liste, zeugen förmlich von einer Zwanghandlung die selbst einen Monat später noch befriedigt werden muss, wie der Schuss Heroin bei einem Süchtigen.

Nur ebenso wie man einem Heroinsüchtigen fragen würde, warum verspürst Du dieses Verlangen ständig zur Nadel zu greifen, darf man sog. Israelkritiker und selbsternannte Nicht-Antisemiten folgende Frage stellen: „Israelkritik schön und gut, aber warum bist Du nur so scharf drauf?!“

Siehe auch hier

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