Die Knesset Wahl 2013 – Rückblick auf die Berichterstattung in den Deutschen Medien

Gestern waren 5,6 Mio Israelis aufgerufen an die Wahlurnen zu gehen und die nächste Regierung zu wählen. Yair Lapid ist der strahlende Sieger, Netanyahu hat sich verzockt und die religiösen Parteien wie Shas werden zum ersten Mal seit Jahrzehnten nicht an einer Regierungskoalition beteiligt sein. Was Netanjahu wiederfahren ist bezeichnet man in der Pokerterminologie allgemein hin als „Bad Beat“.

Die Wahl ist vorüber. Der prognostizierte (oder gar von der deutschen Presse erhoffte?) „Rechtsruck“ ist ausgeblieben, Weder die Gaza-Offensive noch Nafatali Bennett konnten Netanyahu helfen. Selbst die CDU hatte keine Leihstimmen mehr zur Verfügung.

Zeit einen Rückblick auf alle Prognosen, Prophezeiungen und Meinungen selbsternannter Israelkritikern und Nahostexperten zu werfen:

Die heilige Kuh der Israelkritiker stellte in seiner Kolumne während der Gaza-Offensive im vergangen Jahr fest: „Warum hat Israel Ahmed al-Dschaabari, den Militärchef der Hamas, gerade jetzt getötet? Weil die Wahlen in den USA gelaufen sind und die Wahlen in Israel bevorstehen. Den großen Angriff gegen Iran, für den Benjamin Netanjahu unablässig wirbt, haben die Amerikaner ihm verboten. Jetzt führt er den kleinen Krieg gegen die Hamas. Ein Stellvertreterkrieg, ein Funktionskrieg.“ 

Daniel Haufler von der FRANKFURTER RUNDSCHAU wusste es noch genauer: „Vor den anstehenden Wahlen nutzt der Krieg dem israelischen Premier Netanjahu. Verletzungen des Völkerrechts sind für ihn kein Hindernis, sondern ein Argument für seine Wiederwahl.“

Am 8. Januar entdeckte Raniah Salloum einen neuen „Bulldozer“ in der israelischen Politik: „Zwar wird wohl auch Bennett Netanjahu nicht das Amt des Premiers streitig machen können. Doch dürfte der Jungpolitiker wohl zum wichtigen Machtfaktor in den Koalitionsverhandlungen werden. Bennett hat bereits erklärt, dass ihn das Ministerium für Wohnungsbau interessiert, wo er Einfluss auf die Siedlungspolitik nehmen will.“

Kurz vor der Wahl (20.01.2013) prgonstizierte EURO NEWS: „Und so gilt der rechtsorientierte Regierungschef Benjamin Netanjahu als klarer Favorit. Während er im Ausland unter anderem wegen seiner Siedlungspolitik in der Kritik steht, kann er zu Hause auf reichlich Unterstützer zählen. Seine Wahlkampfversprechen von starker Führung und Sicherheit kommen gut an.“

Noch am Wahltag, maßte sich Bettina Vestring in der FR an, die Israelis als „gefährliche Wähler“ zu postulieren und begründete subtil die radikale Hamas als Reaktion auf die „radikalisierung der Israelischen Geselschaft“ („Der Radikalisierung der Israelis steht die Radikalisierung der Palästinenser gegenüber“). Weiter heisst es in diesem verwirrten Kommentar: „Die schlechte Nachricht: Die Regierung, die nun an die Macht kommt, wird vermutlich noch viel schlimmer sein. (…) Naftali Bennett heißt der neue Star am israelischen Polit-Himmel (…).“ 

Und dann kam die Wahl. Und die deutsche Presselandschaft wurde erschüttert, ja gar schockiert und enttäuscht. Enttäuscht darüber, dass der Jude ein komplexeres Wesen zu sein scheint als vermutet. Das den Juden die Lieblingsthemen der Deutschen (Gaza, Siedler, Iran) einfach nicht interessierten bei dieser Wahl, gleichgültig wie sehr es die „Weltöffentlichkeit“ oder die deutsche Presse haben wollte. Der Jude hat scheinbar doch ähnliche Sorgen wie der Berliner oder Münchner. Aber selbst wenn man das in der deutschen Journaille erkannt hat, kann es einem nicht gefallen. Der Stereotyp vom monothematischen Staat Israel und radikalen eindimensionalen Israeli muss in der deutschen Öffentlichkeit aufrecht erhalten bleiben und so schwingt sich ZEIT Online in neue, widersprüchliche Sphären: „Bleibt dennoch die Frage, die im Wahlkampf kaum eine Rolle gespielt hat, die aber zumindest von außen ziemlich schnell wieder an die nächste Regierung herangetragen werden wird: Was bedeutet das Wahlergebnis für den Konflikt mit den Palästinensern? Für den Umgang mit der arabische Welt, mit den Siedlern?“ 

Die Wahl als Chance begreifen

Israel hat mal wieder bewiesen, dass es eine lebendige, stabile und liberale Demokratie ist. Knapp die Hälfte der 120 Knesset-Abgeordneten sind neue, frische und unverbrauchte Gesichter. Es ist an der Zeit, dass die Journaille in Deutschland dies als Chance begreift und sich von den Lüders, Martensteins und „Augstein“s dieser Welt trennt und neue, frische und wahre Experten zu Wort kommen lässt.

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