Hass den Juden, aber zeig es nicht!

Tuvia Tenenbom besuchte Anfang Januar für den BR eine Neonazi-Demo in Magdeburg. Was ihm dort widerfahren ist, beschreibt er selbst:

„Ich versuchte, die Neonazidemo zu infiltrieren. Ich mischte mich unter die Neonazis. Die Kameras des Bayrischen Rundfunks und den Produzenten wusste ich hinter mir. Ich machte zunächst den “Heil Hitler”, aber sofort kamen ein paar Neonazis auf mich zu und versuchten, mich zu beschützen. Sie sagten mir, dass es besser sei, den Gruß nicht in der Öffentlichkeit zu machen. Die Polizei, derer viele, sahen zu, intervenierten aber nicht. Ich wiederum argumentierte mit meinen neuen Freunden, dass in einer Demokratie jeder machen könne, was ihm gefällt.

Im Verlauf des Gesprächs versuchten einige Nazis das Team des Bayrischen Rundfunks am Filmen zu hindern. Es folgte eine Auseinandersetzung. Plötzlich erkannte einer meiner neuen Freunde das kleinen Mikrofon an meinem Kragen, das ich für das Team des Bayrischen Rundfunks tragen musste und realisierte, dass das Team und ich Teil der selben Gruppe waren. Sie versuchten mich wegzustoßen, aber ich wehrte mich. Die Polizei sah zu. Dann aber rief einer der Nazis zur Polizei: “Er hat den Hitlergruß gemacht!” Er wollte, dass die Polizei sich um mich kümmert. Die Polizei kümmerte sich. Sie nahm mich fest.

Von der Gruppe entfernt sagte ich der Polizei: “Kommt schon, ich bin jüdisch!” Ihre Reaktion: “Sie sind also ein Linker, ein Agent Provokateur. Ihren Ausweis, bitte!” Das Gespräch nahm seinen Lauf, während mein Ausweis einem Kollegen gereicht wurde, um mein Vorstrafenregister zu überprüfen. Schließlich wurde ich frei gelassen.”

Das war vor über zwei Wochen. In der Zwischenzeit war die Polizei von Sachsen-Anhalt nicht untätig. Sie hat Ermittlungen aufgenommen. Folgenden Brief hat Tuvia Tenenbom inzwischen erhalten:

“Sehr geehrter Herr Tenenbom,

im Polizeirevier Magdeburg wird unter der Tagebuch-Nummer: MD RKD SG5 1/827/2013 ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachtes des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gemäß § 86a StGB (Strafgesetzbuch) gegen Ihre Person durchgeführt. Demnach stehen Sie im dringenden Tatverdacht, am Samstag, 12.01.2013 gegen 12:55 Uhr in der Landeshauptstadt Magdeburg, Schilfbreite, in einer Menschengruppe, die an dem angemeldeten, rechts orientierten Aufzug “Ehrenhaftes Gedenken…” teilnehmen wollte, den so genannten „Hitlergruß“ gezeigt zu haben!

Hiermit erhalten Sie die Gelegenheit, sich auf den beigefügten Formularen, siehe Dateianhang „Tevia_Tenenbom.PDF“ zum Sachverhalt zu äußern. Bitte beachten Sie, dass Sie keine Angaben zur Sache machen müssen, jedoch verpflichtet sind, die erforderlichen Angaben zu Ihrer Person zu machen!

Ich bitte Sie um eine Bestätigung des Eingangs dieser eMail und um eine zeitnahe Beantwortung der oben genannten Beschuldigtenanhörung.

Mit freundlichem Gruß
Im Auftrag
Tonak, KHK
PD Sachsen-Anhalt Nord
PRev. Magdeburg
RKD / SG 5 – Ermittlungen”

So ist es nun mal: Club 88 und viele ähnliche Gruppierungen stehen groß und aufrecht für Jahre und Jahre und Jahre. Aber sagen Sie nicht, die Behörden in Deutschland täten nicht ihr Bestes im Kampf gegen Nazis. Sie tun es. Sie haben mich geschnappt.“

Wir lernen: Judenhass ist gesellschaftlich unproblematisch. Problematisch wird es erst wenn man den rechten Arm um ca. 110 Grad nach oben und in etwa 18 Grad nach rechts ausstreckt, denn das ist im deutschen Rechtsstaat eine Straftat. Das es ein jüdischer Buchautor nicht aus Überzeugung sondern aus Zynismus und Ironie macht ist dabei nur Nebensache. Da kann auch schon mal ein überzeugter Neonazi eine Anzeige erstatten und schwupps wird der Jude weggesperrt. 

Im Angesicht dieser Definition von Antisemitismus und Rassismus, erscheint die geschlossene journalistische Augstein’sche Verteidigungsfront langsam aber sicher plausibel!

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