„Erst das heisse Siegelwachs, jetzt der Stempel“ Oder Die Anti-Antisemitismuskeule

Fünf Worte haben gereicht, um die fast schon eingeschlafenen Reflexe der geballten deutschen Presse zu erwecken. „Ja, er ist ein Antisemit!“, sagte Rabbi Cooper vom SWC während seines Deutschlandbesuchs zum Thema „Augstein“. Das hat für ein Deja-Vu in den deutschen Medien gesorgt. Von der ZEIT bis zum neuesten EMMA-Ableger STERN, ist man empört. Nein, nicht darüber das ein Kollege als Antisemit enttarnt ist, sondern das es ein Jude wagt es so direkt auszuprechen. Dazu noch einer der „ziemlich weit weg sozusagen von der deutschen Wirklichkeit“ ist. Ob diese „deutsche Wirklichkeit“ darin besteht, dass ein Antisemit in Schutz genommen wird, wenn er seine Judenobsession und -aversion als Israelkritik tarnt, ist noch nicht definiert. Was aber die Wirklichkeit ist, zeigen Artikel wie diese:

„Auch ein anderer Gedanke wurde nicht ausgesprochen: Dass die Solidarität mit Augstein ein Hinweis darauf sein könnte, dass sich das Simon-Wiesenthal-Institut mit seiner erneuerten Einschätzung vielleicht vergaloppiert hat.“

Genau, denn die Solidarität der Deutschen mit ihrer Regierung zwischen 1933 und 1945, ist ein Beleg dafür, dass es ausschließlich um Arbeitsplätze und eine Autobahn ging und das das Ausland bei der Einschätzung des Führers sich ebenfalls vergaloppiert hat.

Den „anderen Gedanken“, hätte man den barerprobten Frauenrechtlern vom STERN jedoch durchaus zugetraut, denn im selben Artikel wird das „Augstein“ wie folgt zitiert: „Mit Antisemitismus-Vorwürfen, wie sie gegen mich erhoben werden, wird Politik gemacht und versucht, die Öffentlichkeit zu kontrollieren“. Wer daraus eine klare antisemitische Gesinnung herausliest a la „Juden kontrollieren die öffentliche Meinung“, muss schon wirklich ein Fantast sein.

Ähnlich äusserte sich „Augstein“ am heutigen Nachmittag in einem Interview mit seinem Haussender Radio Eins. Gesprächsleiter war Volker Wieprecht, seines Zeichens eng befreundet mit Radio Eins Chefredakteur Robert Skuppin, der seiner Zeit von Broder verlangte, dieser möge im Angesicht der „Augstein“-Debatte auf sein wöchentliches Kommentar auf dem Sender verzichten.

Wieprechts Einleitung gab die Richtung des Interviews bereits vor. „Erst das heisse Siegelwachs, jetzt der Stempel“ vom SWC. Zudem wusste er, dass der SWC „auf betreiben von Henryk M. Broder“ den lieben Jakob ans Bein pinkelte. Dann die erse Frage, die einem den Kiefer runterklappen lässt: „Haben Sie sich eine Entschuldigung erhofft?!“.

„Augstein“: nein ich habe schon damit gerechnet das die noch einen drauflegen (…) Die haben den Einsatz so in die Höhe getrieben und haben so ne Propagandafront aufgemacht…“. Jüdische Verschwörung? Ach, so ein Blödsinn!

Rabbi Cooper gab Jakob dann sogleich Nachhilfe in Sachen Demokratie und Pressefreiheit: „(…) das hat alles mit Pressefreiheit, journalistischer Unabhängigkeit nichts zu tun und ich frage mich wo er seine Maßstäbe her hat. Also in einer demokratischen offenen Gesellschaft arbeitet die Presse so nicht. Das ist ihm wohl nicht klar“.

Kurz vor Schluß adelt der komplett verwirrte Wieprecht den Nicht-Antisemiten Jakob zum Tabubrecher, Freiheitskämpfer und Menschenrechtsaktivsten: „Und sie könnten nicht damit leben in dem Bewusstsein: nagut ich als Deutscher muss extra lange die Klappe halten…“.

Ja, damit könnte „Augstein“ wahrlich nicht leben. Denn spätestens seit Grass weiß man in Deutschland „was gesagt werden muss!“, oder um es in Jakobs Worten auszudrücken: „darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen. Ein überfälliges Gespräch hat begonnen.“ 

Wir leben in einer Gesellschaft in der die Tagesschau in Mursis „Affen und Schweinen“-Äusserungen Israelkritik erkenntin der ein Martenstein die Bezeichnung Antisemit, eher als Auszeichnung betrachtet und in der ein SPIEGEL-Erbe und -Kolumnist, der in seinen 45 Lebensjahren noch nie in Israel war und auch dort nicht sein möchte, seine antisemitischen Ressentiments und Judenhass als Israelkritik verpacken kann und das mit Wohlwollen nahezu der gesamten deutschen Politik, Medien- und Presselandschaft.

Da wo man reflexartig die sog. „Antisemitismuskeule“ vermutet hat, hat man sich bewaffnent und schwingt fröhlich die „Anti-Antisemitismuskeule“. Treffsicherer und akzeptierter ist diese auf jeden Fall!

Das Radio Eins Interview mit „Augstein“

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