Gundula Gause mit dem Nachrichtenüberblick

Da sitzt man nichts ahnend vor dem Fernseher und möchte sich über das Weltgeschehen informieren, als Gundula Gause den Nachrichtenüberblick des „heute journals“ einer Meldung zum palästinensisch-israelischen Koflikt beginnt.

Während Bilder aus der Westbank gezeigt werden, verkündet Frau Gause folgendes:

„Die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern nimmt wieder zu. Im Westjordanland erschossen israelische Soldaten zwei junge Palästinenser und zugleich feuerten Palästinenser mehrere Raketen und Granaten auf Israel. Ausgelöst wurden die neuen Spannungen, durch den Tod eines krebskranken Palästinensers in israelischer Haft. An der Beerdigung des Mannes nahmen tausende Menschen teil, dabei kam es zu Ausschreitungen. Die Palästinenser werfen den israelischen Behörden vor, ihren kranken Landsmann in der Haft nicht ausreichend behandelt zu haben.“

Schauen wir uns doch mal diese Meldung genauer an:

„Die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern nimmt wieder zu. Im Westjordanland erschossen israelische Soldaten zwei junge Palästinenser und zugleich feuerten Palästinenser mehrere Raketen und Granaten auf Israel.“ 

Damit auch ja keine Missverständnisse über den Verursacher entstehen, werden die „Israelis“ als erste genannt. Die erschossenen Palästinenser waren bestimmt gerade mit der Gartenarbeit beschäftigt, als israelische Soldaten diese willkürlich erschossen. Es war halt so schönes Wetter und die Sicht auf diese jungen Palästinenser war so gut, da kann ein israelischer Soldat einfach nicht widerstehen. Selbstverständlich darf also das Motiv des rachsüchtigen Juden nicht fehlen. Auch wenn die Terrorgruppe Hamas die Raketen auf Israel abfeuert, werden diese nicht explizit genannt. Ebensowenig, dass die genannten Ereignisse miteinander übehraupt nichts zu tun haben, denn das könnte den Zuschauer komplett überfodern.

„Ausgelöst wurden die neuen Spannungen, durch den Tod eines krebskranken Palästinensers in israelischer Haft. An der Beerdigung des Mannes nahmen tausende Menschen teil, dabei kam es zu Ausschreitungen.“

Es waren also nur „Ausschreitungen“ zu denen es kam. Wie sie nun Mal jedes Wochenende in deutschen Fussballstadien vorkommen und bei jeder guten Beerdigung zum Standardrepartoir von Trauerenden dazu gehören. Oder wer hat noch keine Beerdigung gesehen bei der „Tod den Juden“ oder „Tod Israel“ gerufen wird und man anschließend Pflastersteine auf Behörden schleudert? Absolut normal!

Die Palästinenser werfen den israelischen Behörden vor, ihren kranken Landsmann in der Haft nicht ausreichend behandelt zu haben.“

Dieser „kranke Landsmann“ hieß Maysara Abu Hamdeya, und saß lebenslänglich im israelischen Gefängnis für den Versuch ein beliebtes Cafe in Jerusalem in die Luft zu jagen. Das sind aber Marginalien, die von der „Message“ ablenken würden, denn das wichtigste was sich der „heute journal“-Zuschauer aus dieser Meldung rausziehen soll ist, dass die Israelis den kranken palästinenischen Landsmann auf dem Gewissen haben.

Das ZDF wird dieses Jahr 50. Man könnte es allerdings niemanden verübeln, wenn man bei solchem Qualitätsjournalismus auf die Idee kommt, dass es der 80. Geburtstag des Senders ist.

Siehe auch: das heute journal vom 04.04.2013 (Meldung ab 16:10)

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2 Gedanken zu “Gundula Gause mit dem Nachrichtenüberblick

  1. Der Ansatz, aus der Reihenfolge von Konfliktparteien eine Aussage über die verursachende Partei abzuleiten, ist reizvoll, wirft jedoch die Frage auf, wie sich ein Journalist äußern soll, der nun wirklich überhaupt keinerlei Aussage über einen Verursacher treffen will. Bei einer vorher aufgezeichneten Nachrichtenmeldung bestünde wohl die Möglichkeit, im Overdub-Verfahren mehrere Tonspuren übereinander zu legen, um endgültige sprachliche Fairness zu gewährleisten. Ähnlich könnte man bei schriftlichen Nachrichtenmeldungen durch das Übereinanderdrucken der Konfliktparteien vorgehen. Was jedoch im Fall einer live vorgetragenen Nachrichtenmeldung tun?

  2. Die „Journalisten“ wollen in diesem Konflikt solange keinen „Verursacher“ benennen, solange es nicht Israel ist. So war der Auslöser für die israelische Gaza-Offensive im letzten Jahr mit dem gezielten Ausschalten des Militärchefs der Hamas. Das die Hamas zuvor wochenlang den süden Israels mit Raketen beschossen hat, war für die Journalisten irrelevant.

    Ein „Journalist“ sollte sich nicht aussuchen dürfen was er berichtet und was er auslässt. Der Anspruch sollte ein Gesamtbild zu zeichnen sein. Wenn das ZDF dazu nicht in der Lage ist, in dem sie Details rauslassen und einen verurteilten Terroristen schlicht als „palästinenschen Landsmann“ bezeichnen und die Umstände bzgl. der zwei getöten „jungen Palästinenser“ auslassen, dann hat mit Journalismus nichts zu tun. Stattdessen ist das tendenziöse und unseriöse Berichterstattung.

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