Das Ende einer Triloge: Wenn Verschwörungstheorien selbst Verschwörungstheoretikern zu weit gehen

Es liegt eine turbulente und emotionale Woche hinter uns. Die Anschläge in Boston, die historische Jagd nach den Verdächtigen und die Festnahme von Dzokhar Tsarnaev, welches das vorläufige Ende dieser Ereignisse darstellt.

In den 101 Stunden die zwischen dem Boston-Marathon-Anschlag und der Festnahme von D. Tsarnaev stattfanden, begaben sich so einige Medien auf Spekulationsexkursion. Ganz vorne dabei, die sog. Verschwörungstheoretiker a la Alex Jones, der nur Minuten nach dem Anschlag – als noch Chaos vor Ort herrschte – bereits zu berichten wusste, dass höchstwahrscheinlich die amerikanische Regierung die Verantworung trägt. Etwas mehr Zeit hat sich der Iran-Deutsche Moustafa Kashefi aka „Ken Jebsen“ gelassen. Ganze 48h nahm er sich Zeit, seiner „journalistischen“ Fürsorgepflicht gerecht zu werden und auf der Facebook-Seite von KenFM einen Beitrag mit dem Titel „Die Wucht der Inszenierung“ zu veröffentlichen u.a. mit folgenden Aussagen:

„Was stört uns jetzt an Boston? Dass wir uns mit den Opfern identifizieren können? (…) Oder ist es die Tatsache, dass neben den 176 Opfern mindestens ein Kind, der achtjährige Martin Richard, unter den Toten ist? (…) Weder noch. Uns stört vor allem, dass die Massenmedien uns mit diesen Bildern belästigen. (…) 

Dass Boston ein von Behörden inszenierter Anschlag sein könnte, der auf eine entsprechende Gegenreaktion abzielt, darauf kommen wir nicht.

Auch wenn der Anschlag von Boston von einem verwirrten Spinner ohne politische Motivation ausgeführt worden ist, man wird sie finden: Die Spur, die in den Mittleren Osten führt.“

Die Identität beider Verdächtigen wurde in den frühen Morgenstunden des Freitags bekannt. Zwei Brüder tschetschenischer Herkunft und muslimischen Glaubens. Während die Behörden vor Ort von einem „Breakthrough“ (Durchbruch) sprachen und Hoffnung auf eine baldige Festnahme auslösten, sah sich „Jebsen“ bestätigt in seiner Wahrnehmung der Welt und jubelte:

„Boston-Bomber sollen Brüderpaar aus Tschetschenien sein. MOSLEMS! (…) Da ist sie, die Spur! Es sind Moslems! Weltbild bestätigt!“

Am selben Tag in einem weiteren Beitrag:

„In diesen Minuten nun wird bekannt, dass einer der beiden Verdächtigen tot ist. Erschossen durch Polizeikugeln in einem Bostoner Vorort, Watertown. (…)

Wieder ein paar ganz einfache Fragen:
Warum landen Hauptverdächtige, Staatsfeinde, in den USA immer seltener vor einem Zivilgericht?

Warum schaffen sie es immer seltner, vor der Öffentlichkeit auszusagen? (…)

Ich haben große Zweifel, das der Verbleibende der Verdächtigen von Boston jemals zu Wort kommen wird.“

Ja, ein „Journalist“ wie Kashefi, hat so seine Standards die er einhält. Laut eigener Aussage, stellt er nur „legitime“ Fragen und behauptet nichts. Ebenso wie jemand der am Tisch furzt um anschließend Vermutungen anzustellen woher der Gestank kommt.

Dummerweise überlebte D. Tsarnaev die Flucht und wird zur Zeit in einem bostoner Krankenhaus behandelt. Aber selbst da ließ sich Kashefi nicht lumpen. Schon gar nicht von den Amerikanern. „30 Minuten Recherche im Internet“ haben ihm gereicht um den Fall nicht nur zu lösen, sondern die amerikanischen Behörden stümpferhaft aussehen zu lassen:

„Die gesamte Szenerie ist mit Blut bedeckt. Dieses Blut sieht aus wie Blut, wie man es beim Film verwendet. Kunstblut. Kunstblut ist im Vergleich zu echten Blut verhältnismäßig heller. (…)

Jeff Baumann hat verblüffende Ähnlichkeit mit Nick Vogt. Nick Vogt war Soldat, 2nd Lieutenant der US Army und verlor in Kandahar in Afghanistan beide Beine. Sie mussten ihm direkt unter dem Rumpf amputiert werden. (…)

Die von den Medien als radikale Täter verkauften Brüder Tsarnaev rasierten sich jeden Morgen. Auch am Tag des Anschlages war ihr Gesicht glatt wie ein Baby-Popo.

Tamerlan Tsarnaev, den man auch Zarnajew schreibt, könnte optisch auch in Stuttgart leben. Er fuhr Mercedes.“

Soweit so schwachsinnig. Das interessanteste an dem letzten Post von „Jebsen“ sind jedoch die Kommentare. Das scheint selbst dem hartgesottensten Verschwörungstheoretiker eine Art Verschwörungs-Overkill zu sein:

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