Was auch immer die Amis tun, den Jakob stellt es nicht zufrieden

Von allen Seiten gab es Lob für das „besonnene Handeln“ der amerikanischen Behörden nach den Boston-Marathon-Anschlägen. Von allen Seiten? Nein, nicht von Allen. Es gibt einen Verschwörungstheoretiker hier und einen Linken dort, dem es die Amerikaner schlicht und Ergreifend nie recht machen können. Einer davon ist der Salon-Linke und SPIEGEL-Erbe Jakob „Augstein“ Walser.

Seine neueste Kolumne trägt den Titel „Anschlag in Boston: für immer Ausnahmezustand“. Dem Inhalt nach zu urteilen, hätte die neueste Hirnausscheidung von „Augstein“ auch den Namen „Anschlag in Boston: Selber Schuld USA“ tragen können. Augstein überlässt es dem Leser wieder allein auf die Zwischentöne zu achten und sich seinen eigenen Reim auf das Geschriebene zu machen. Er spricht es nicht eindeutig aus – allerdings hat „Augstein“ auch nie offen etwas gegen Juden gesagt, denn das ist ja bei ihm alles nur investigetiver jounalismus gepaart mit antisemitischen Ressentiments – jedoch unterstellt er den USA und vorallem den Bürgern des Landes, dass sie in einem Quasi-Überwachungsstaat leben und sich damit wohlfühlen. Es bleibt in dieser Feststellung kein Platz für Mitleidsbekundung für die Opfer, oder Lob für das Verhalten der amerikanischen Bevölkerung – die Bostonions im speziellen – im Angesicht des Terrors. Keine Hervorhebung von Heldentaten von einfachen Menschen, die nach der Explosion nicht etwa wegrannten, sondern der Explosion und dem Chaos entgegen liefen um Verletzte zu versorgen.

Aber der Reihe nach. „Augstein“ stellt fest:

„Amerika hat im Kampf gegen den Terror schon lange das Augenmaß verloren. Boston zeigt nun endgültig: Auf der Suche nach der totalen Sicherheit landen die Amerikaner im totalen Sicherheitsstaat.

 „Lockdown“ nannte sich das, was die Bostoner Polizei über die Stadt verhängte, als sie nach dem überlebenden Bombenleger suchte: Der öffentliche Nahverkehr wurde stillgelegt, an den Gerichten kein Recht gesprochen, an den Universitäten nicht gelehrt. Die Ämter und Behörden stellten ihre Arbeit ein, weil die Angestellten nicht mehr zur Arbeit kommen konnten. Der Vorort, in dem die Polizei den Verdächtigen vermutete, wurde vollständig abgeriegelt, die Menschen aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Sie durften ihre Türen nur noch den uniformierten Beamten öffnen, die in den Straßen patrouillierten und ein Haus nach dem anderen durchkämmten. Für eine Million Menschen kam das alltägliche Leben zum Erliegen.“

Amerika hat also schon lange das Augenmaß bei der Bekämpfung von Terrorismus verloren. Soso. Wie das richtige Augenmaß aussieht, möchte (oder kann) Augstein uns nicht verraten. Er ist ja auch „Journalist“ von Beruf und darf solche substanzlose Feststellungen treffen.
Die Bostoner Behörden hatten bis Donnerstag Nacht alle Einwohner der Stadt aufgefordert weiterhin ihrem Alltag – sofern es im Angesicht dieser Tragödie möglich war – nachzugehen. Am Donnerstag Nachmittag veröffentlichte das FBI die ersten Bilder der Verdächtigen und bat die Bevölkerung um Mithilfe. In der Nacht zum Freitag wurde in der MIT ein Polizist erschossen, in Cambridge wurde eine Tankstelle überfallen und ein Auto gestohlen. Der Zusammenhang zu den Anschlägen war hier noch nicht ersichtlich. Kurz vor Mitternacht gab es in dem Bostoner Vorort Newtown eine Schießerei. Dabei wurde – wie wir heute wissen – der ältere der beiden Verdächtigen bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet. Der jüngere konnte fliehen. Kurze Zeit später gab es eine Presseerklärung der Polizei sowie sog. „Robocalls“ (automatische Anrufe) bei den Einwohnern von Watertown, Sie wurden gebeten möglichst daheim zu bleiben und niemandem die Tür zu öffnen, ausser die Person gibt sich eindeutig als Polizist zu erkennen. Bis dahin ist es nur eine ausführliche Beschreibung der Zusammenfassung von „Augstein“, aber hier verlässt er die Fakten und wird suggestiv.
Augstein verrät nicht, dass es den Behörden nicht darum ging die Bevölkerung zu „überwachen“, sondern vor Schaden zu bewahren. Bei der Schiesserei mit der Polizei zündeteten die Verdächtigen Bomben! Der Flüchtige Dzokhar hätte weitere Bomben bei sich tragen können oder gar eine Bombenweste. Man konnte ihn nicht einschätzen. Laut Zeugenaussagen überfuhr der jüngere den älteren Bruder um zu entkommen. Von einer stabilen und logisch handelnden Person konnte daher keine Rede sein. Die Entscheidung alle Zufahrten aus Watertown abzusperren und das „Jagdrevier“ so möglichst klein zu halten, ist komplett nachvollziehbar und in der Konsequenz absolut richtig gewesen.

„Der Westen will in Barack Obama unbedingt einen guten Präsidenten sehen. Einen, der sich vom bösen Bush und seiner kriegslüsternen Entourage unterscheidet. Dabei hat Obama die Erosion westlicher Rechtsvorstellungen nicht gestoppt. Im Gegenteil: Der Präsident behält sich das Recht vor, auf der ganzen Welt jederzeit Menschen zu töten. Das ist ganz buchstäblich zu verstehen: ohne Anklage, ohne Verteidigung, ohne Prozess, ohne Warnung.“

Ob „Augstein“ unter „westlicher Rechtsvorstellung“ die Rechtssprechung in Gaza oder der Westbank meint, die er regelmäßig in Schutz nimmt, weiß ich nicht und ich werde darauf auch nicht weiter eingehen. Die „Drohnenpolitik“ der amerikanischen Regierung wird auch im eigenen Land stark diskutiert und hinterfragt. Dies jedoch als Hinweis für eine „Erosion westlicher Rechtsvorstellungen“ zu sehen ist nicht nur hanebüchen sondern geradezu ignorant. Falls das Gedächtnis des guten Jakob soweit reicht, dann müsste er sich daran erinnern, dass es Al-Qaida war, die den USA in den 90er Jahren den Krieg erklärt hat. Den USA jetzt vorzuwerfen, dass sie nicht mit Mann und Maus in gefährliches Gebiet einmarschieren und tausende von eigenen Toten riskieren nur weil es Herr Augstein für fairer hält, ist ein Unfug.
Die Aufgabe eines US-Präsidenten lässt verkürzt so zusammenzufassen: Wohlstand und Sicherheit der Amerikaner zu sichern. Wenn es also darum geht eine potenzielle Gefahr in Form eines Talibans oder anderer Feinde auszuschalten, dann hat der Präsident nicht nur das Recht den Befehl zum Angriff zu geben, sondern die verdammte Pflicht es zu tun! Was passiert wenn so eine Aktion schief läuft, konnten wir am 11.09.2001 erleben. 1998 hatte der damalige Präsident Bill Clinton, einen Tomahawk-Missile Angriff auf ein Trainingscamp in Afghanistan befohlen. Geheimdienstinformationen indizierten, dass Bin Laden dort ist. Die Raketen hatten bin Laden nur um einige Stunden verpasst. Drei Jahre später… nun ja, wir wissen was passierte.

„Der „Krieg gegen den Terror“, den George W. Bush seinerzeit ausrief, hat von den Herzen und Köpfen der Amerikaner Besitz ergriffen. Sie fühlen sich im Krieg.“

Nicht wenige – inklusive der Leiter der Notfalleinheit eines Bostoner Krankenhauses – sprachen von kriegsähnlichen Zuständen bei diesem Anschlag.
Noch interessanter wäre es zu wissen, was die Opferfamilien von 9/11 dazu zu sagen hätten. Amerika „fühlt“ sich also nur im Krieg. Dummerweise sprechen die Fakten eine andere Sprache. Seit 2001 wurden mehrere Anschläge verhindert darunter der „Schuhbomber“ und der fehlgeschlagene Times Square Anschlag. Amerika ist das Ziel von Islamisten. Die Taliban, Al-Qaida, Hamas, Hezbollah uvm. sind laut eigener Aussage und im allgemeinen im Krieg mit den Ugläubigen und im speziellen mit dem kleinen (Israel) und dem großen (USA) Satan. Diese Realität so dreist auszublenden ist schon bemerkenswert.

Wie dem auch sei. Diese Kolumne zeigt mal wieder nur eins, nämlich das für die Linken und Antiamerikaner die USA es nie werden rechtmachen können, egal was sie wie tun. Das die Bush-Adminstration nach 9/11 martialisch auftrat, sprach für den Blutdurst der Amerikaner. Das die Obama-Adminstration 24h vermied den Begriff „Terror“ zu gebrauchen und nach wie vor nicht von islamistisch motiviertem Terror spricht, ist ebenfalls für einen Salon-Linken wie „Augstein“ untragbar. Da müssen schon die Bostonions und ihre Bürgerrechte in Geiselhaft genommen werden um die eigene Position zu untermauern. Gerade diese Bostonions, die aus der Stadt kommen die mit der historischen „Boston Tea-Party“ den Grundstein für die Unabhängigkeit und Staatsgründung der modernsten erfolgreichsten Demokratie in der Geschichte der Menschheit gelegt haben, benötigen die Tipps eines „Augsteins“ nicht wenn es um Bürgerrechte und Demokratie geht.

Kaum ein Amerikaner und Bostonion wird „Augsteins“ Kolumne je lesen, das müssen sie auch nicht. Was für einen demokratischen Geist dieses Land hat und wie großartig die Bewohner von Boston mit dieser Tragödie umgegangen sind, beschreibt ein Auszug aus dem Statement, den der von „Augstein“ entliebte Obama, nur Stunden nach dem Attentat abgab:

„Today is a holiday in Massachusetts — Patriots’ Day. It’s a day that celebrates the free and fiercely independent spirit that this great American city of Boston has reflected from the  earliest days of our nation. And it’s a day that draws the world to Boston’s streets in a spirit of friendly competition.  Boston is a tough and resilient town. So are its people. I’m supremely confident that Bostonians will pull together, take care of each other, and move forward as one proud city. And as they do, the American people will be with them every single step of the way.“

Vielleicht können die Amerikaner Herrn „Augstein“ so zufriedenstellen. Immerhin geht es um Gemeinschaft, Solidarität und Zusammenhalt. Das woran es seiner Ansicht nach in der Deutschen Gesellschaft so immens mangelt. Es ist jedoch zu befürchten, dass wenn er das hört, er zum knallharten Turbo-Kapitalisten wird. Denn was auch immer die Amis tun, es kann nicht richtig sein!

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