Verzeihung für die Entschuldigung

Die israelische Entschuldigung bei der Türkei, wird von Erdogan als Zeichen der Schwäche verstanden.

Von Hagai Segal

Weniger als sechs Monate ist es her, dass sich Israel offiziell bei der Türkei entschuldigte, jedoch lässt sich diese Geste bereits jetzt als ein grosser Fehler bezeichnen. Die israelische Regierung ist vor Ankara auf die Knie gegangen und um Vergebung für eine Sünde, die es nicht begangen hat, gebeten. Im Gegenzug hat man ihr hauptsächlich ins Gesicht gespuckt.

Öffentlich fährt Premierminister Erdogan fort uns zu belästigen und zu verachten, sowie falsche Anschuldigungen gegen uns zu erheben. Seit unserem Eingeständnis – gebeugterweise, als wären wir Angeklagte in einem Prozess – dass wir verantwortlich für die Marmara-Affäre sind – hat er uns nicht eine Geste der Versöhnung gezeigt.

„Ich glaube nicht, dass Erdogan seine Angriffe wie zuvor fortsetzten wird,“ sagte der nationale Sicherheitsberater Yaakov Amidror dem Sender Channel 2 am Abend der Entschuldigung. Erdogan setzte die Angriffe jedoch fort. Sobald Erdogan die Entschuldigung erreichte, startete er ein öffentliches Fest der Demütigung und vergangene Woche unterstellte er uns hinter dem Putsch in Ägypten zu stecken. Eine Anschuldigung, die selbst unseren langjährigen Feinden unangenehm war.

Erdogan während seiner Rede auf dem Welt Wirtschaftsforum in Istanbul, 2008. © World Economic Forum Photograph: Serkan Eldeleklioğlu-Bora Ömeroğulları-Ozan Atasoy

Erdogan während seiner Rede auf dem Welt Wirtschaftsforum in Istanbul, 2008.
© World Economic Forum
Photo: Serkan Eldeleklioğlu-Bora Ömeroğulları-Ozan Atasoy

Entegegen früher Verpflichtungen, ist Ankaras Botschafter noch nicht nach Israel zurükgekehrt, jedoch profitiert es von tausenden von israelischen Touristen, die nach Antalya zurükgekehrt sind. Unter diesen Umständen, darf man die Türkei, gleich nach dem Iran, als Israels ärgsten Feind in der Region betrachten.

Was beweist uns das? Im Gegensatz zur üblichen Annahme, ist es manchmal wichtiger Recht zu haben, als der Klügere zu sein. Der israelische Instinkt, Werte und Positionen für bessere Beziehungen mit unseren Nachbarn zu opfern, führt von einem Fehler zum nächsten. Netanyhau und Amidror gaben unsere Ehre um des Friedens willen auf. Nun haben wir weder Ehre noch Frieden.

Erdogan interpretierte ihre Entschuldigung als Schwäche und schloß daraus, dass er uns weiterhin beleidigen kann. Es bleibt nun zu hoffen, dass auch wir unsere Schlüsse ziehen. Die Entschuldigung bei der Türkei kann nicht zurückgenommen werden, aber wir können eine entschlossenere Position mit Hinblick auf den europäischen Boykott der Siedlungen einnnehmen. Zum Beispiel könnte die Regierung tief durchatmen und erklären, dass es das „Horizon 2000“ Programm stoppt, so lange wie Europa israelische Projekte in Judea und Samaria ächtet. Europa wird es sich dann zwei Mal überlegen, bevor es ein weiteres Boykott erklärt. Möglicherweise könnte es Erdogan sogar zu einem Umdenken bezüglich seiner Einstellung gegenüber Israel bewegen.

Aus dem englischen übersetzt

Das Original erschien am 29.08.2013 auf ynetnews.com

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