SPIEGEL ONLINE deckt Rassismusskandal in Israel auf. Oder doch nicht?

Wenn kein Olivenbaum zerstört, eine Wohnung gebaut wurde, oder Israel auf den ständigen Raketenbeschuss aus Gaza reagierte, müssen schon Mal Nichtigkeiten die 82 Millionen Nahost-Experten aus Deutschland auf dem Laufenden halten.

So lässt SPIEGEL ONLINE heute verlauten: Israel: schwarze Abgeordnete darf kein Blut spenden! Ja geht’s noch? Wie rassistisch ist denn dieser Staat eigentlich? Bislang war es ja bekannt, dass der israelische Staat ein faschistoides Apartheidregime ist. Allerdings ausschließlich den armen Palästinensern gegenüber. Und jetzt das?

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Screenshot SPIEGEL ONLINE

Im Artikel heisst es dann: „[…] Tamano-Schata musste feststellen, dass die Rotkreuzhelfer nach Richtlinien des israelischen Gesundheitsministeriums handelten.“
Verdammte Hardliner und Extremisten des Regimes haben diese Richtlinien also durchgesetzt. Nicht zu fassen und absolut empörenswert. Mandelas Leichnam ist noch nicht einmal unter der Erde und dann so ein Rassismusskandal!

Es wäre schön, wenn Schlagzeilen schon die ganze Story erzählen würden, aber wie es für SPON nun Mal typisch ist: wenn es sich um das Thema Israel handelt, dann muss die Schlagzeile, sowie vierfünftel des Artikels ausreichen, um das zu berichten, was eigentlich keine Meldung ist. Erst im letzten Absatz erfährt der Leser, dass diese Richtlinie gar nicht so israeltypisch ist, wie suggeriert:

„Auch in Deutschland hätte die Abgeordnete kein Blut spenden dürfen. Laut dem deutschen Tropeninstitut liegt Äthiopien in einem Malaria gefährdetem Gebiet, eins der dauerhaften Ausschlusskriterien. Demnach dürfen Personen, die in einem Malariagebiet geboren oder aufgewachsen sind oder längere Zeit dort gelebt haben, beim Deutschen Roten Kreuz kein Blut spenden.“

Man darf durchaus über diese Richtlinien diskutieren und hinterfragen ob diese so richtig sind, aber wenn exakt die selben Richtlinien in Deutschland sowie in fast alle anderen westlichen Staaten gelten, was ist an dieser Story dann überhaupt die Story?

Es beschleicht einem das Gefühl, dass es in bestimmten deutschen „Leitmedien“ eine Art Israel-Quote gibt, die es zu erfüllen gilt. Egal wie banal oder irrelevant eine Nachricht ist: wenn es um Israel geht, dann muss selbst das für eine irreführende Schlagzeile reichen. Besonders gilt es für SPIEGEL-Leser. Ganz nach dem Claim „SPIEGEL-Leser wissen mehr“. Selbst dann, wenn es nix wissenswertes gibt.

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2 Gedanken zu “SPIEGEL ONLINE deckt Rassismusskandal in Israel auf. Oder doch nicht?

  1. “Erst im letzten Absatz erfährt der Leser, dass diese Richtlinie gar nicht so israeltypisch ist, wie suggeriert” – da hat sich Spiegel-online Deine Kritik offenbar sehr zu Herzen genommen und den Artikel überarbeitet. Wer nämlich JETZT die aktuelle Fassung des Artikels ausruft, erfährt nicht etwa im letzten Absatz, dass die deutsche Regelung sehr ähnlich ist, sonder GAR NICHT.

    Ist natürlich ein klein bisschen unfair von SpOn, aber dafür stimmt jetzt die Dramaturgie.

    Lass Dich nicht unterkriegen,
    beste Grüße

  2. Pingback: “SPIEGEL ONLINE deckt Rassismusskandal in Israel auf” | Das erschöpfte Selbst

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