SPIEGEL ONLINE definiert Israelkritik neu

Wie vergangene Woche berichtet, gab Roger Waters dem linken Online-Magazin Counterpunch ein Interview, in dem er u.a. Israel mit Nazideutschland gleichsetzte. Einige Tage später nahm sich auch die SPIEGEL ONLINE Redaktion dieser Story an und vollbrachte wundersames.

Waters_Interview_Spiegel_Unterschrift

SPIEGEL ONLINE vom 14.12.2013

Roger Waters sei als „Unterstützer der Palästinenser und scharfer Kritiker Israels“ bekannt, heisst es in dem Artikel. SPON stellt Waters‘ Gleichsetzung Nazideutschlands mit Israel in den Mittelpunkt des Berichts. Das ist insofern bemerkenswert, da SPON einige der schönsten Aussagen Waters über Israel und Juden im Allgemeinen dem interessierten Leser vorenthält.

Für [Orthodoxe] Juden sind Nichtjuden Untermenschen deren einzige Aufgabe es ist dem Juden zu dienen. In den USA würde Angst vor der jüdischen Lobby herrschen, die Juden kontrollieren die Medien, Israel belügt seit seiner Staatsgründung die ganze Welt und die Menschen lassen diese jüdische Propaganda sich freiwillig wie Kot in den Hals stopfen. Das sind nur einige Aussagen aus dem Interview.

Für den SPIEGEL jedoch ist und bleibt es  legitime wenn auch „scharfe“ Israelkritik. Stattdessen richtet man lieber den Scheinwerfer auf die „jüdischen Organisationen“, die Waters „scharf angegangen“ haben. Vermutlich ähnlich „scharf“ wie Waters Israel angegangen hat.

Anfang Dezember beschloß die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC), die geltende Definition von Antisemitismus ersatzlos zu streichen. Im Angesicht dieser Entwicklung vollbrachte man bei SPON etwas wundersames: man hat nicht nur ein Lehrbuchbeispiel für Antisemitismus als „scharfe Israelkritik“ umgedeutet, sondern man setzte die Meßlatte für Antisemitismus dermaßen hoch an, dass selbst „Der Stürmer“ es heutzutage schwer hätte diese Kriterien zu erfüllen.

Zumindest einem wird diese Neuinterpretation mit Sicherheit Freude bereiten: Jakob „Augstein“. Nur ein Jahr nach dem er vom Simon-Wiesenthal-Center auf die Liste der weltweit schlimmsten antisemitischen Verunglimpfungen gesetzt wurde, lassen ihn die Ausführungen Waters als sachlichen und kritischen Journalisten erscheinen. Ende gut, alles gut!

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