„Unsere Mütter, unsere Väter“ erringt den Endsieg bei der Verleihung der ‚Goldenen Kamera‘!

„Wie kein anderer schafft es der TV-Film, den nachfolgenden Generationen zu vermitteln, was der Zweite Weltkrieg den Menschen antat“, so die Jury der Goldenen Kamera über die Auszeichnung von „Unsere Mütter, unsere Väter“.

Wie wahr! Weder Spielberg noch Polanski gelang es das Ungeheurliche, was ganz plötzlich, unerwartet und vom Himmel auf das arme, unschuldige Deutsche Volk einbrach, cineastisch darzustellen. Das konnte wahrlich erst eine aris… öhm… ups… kleiner freudscher Versprecher… wo war ich? Achso, ja: Dazu bedurfte es eine deutsche Produktion. Hollywood, da kiekste, wa?.

Wat haben unsere Mütter und unsere Väter gelitten. Die Polen? Ja, das waren Antisemiten, aber wie! Die Ukrainer und Russen? Ja, diese alten Kommunisten haben Frauen vergewaltigt. Die Deutschen? Ja, das waren die eigentlichen Opfer! Die Filmmacher haben nämlich sogar herausgefunden, dass die Germanen 1941 (da steigt der Film ein) noch locker jüdische Freunde hatten, die mit ihnen in arische Kneipen sitzen durften. Von Konzentrations- und Vernichtungslagern war weit und breit nichts zu sehen, im Gegensatz zu den armen deutschen Wehrmachtsoldaten, die von wenigen bösen, bösen Ausseriridschen, die sich als SS-Offiziere verkleidet haben, für ihre Zwecke, mittels Hypnose und andere psychische Foltermethoden, missbrauchten. Das alles nur drei Jahre nach der Reichspogromnacht, die ebenfalls rein zufällig und komplett unerwartet stattfand.

Sowas passierte nun Mal zu der Zeit. Ständig diese Überraschungen unter denen auch die deutsche Bevölkerung unter erheblichem Widerstand zu leiden hatte. Wie wir später erfahren durften, wusste selbstverständlich niemand irgendwas bescheid. Höchstens eine Ahnung hatte man, aber das auch nicht so richtig, denn die nächste vollmöbilierte und freigewordene Wohnung stand zum Einzug bereit. Die Mietpreise und Wohnungsnot waren damals bestimmt nicht weniger problematisch als sie es heutzutage sind. Da kann man schon mal ein Auge (das rechte?) zudrücken, oder beide, oder einfach abkleben. Die jüdischen Nachbarn? Einfach so verschwunden, oder im Urlaub. Wurden sogar mit einem Shuttleservice direkt an der Tür abgeholt. Haben irgendwas von Bootcamp in Polen erzählt. Quasi Abenteuerreise. Clubmed für ganz harte, oder vielleicht sogar eine Kur? Haben ja schließlich nach dem Krieg sich so einige aber so richtig auf Topmodelfigur herunter gehungert. Alles dank der freundlichen Unterstützung der deutschen Pflegekräfte vor ort.

Eine so akurate und wohl recherchierte Abbildung von historischen Ereignissen – ganz ohne Geschichtsrevisionismus und ersparter Selbstreflexion und -kritik – ist auch preisverdächtig und -würdig!

Next stop: Grimmepreis, denn solange das Dschungelcamp nicht nominiert ist, muss ein anderes „Trash-TV“-Format herhalten… Frau Sass, möchten Sie sich dazu äussern?

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6 Gedanken zu “„Unsere Mütter, unsere Väter“ erringt den Endsieg bei der Verleihung der ‚Goldenen Kamera‘!

  1. Die zusehends unverfrorenere Relativierung nationalsozialistischen Unrechts, die zunehmende Verharmlosung des unsäglichen Leids der Naziopfer, die Geringachtung der Gefährlichkeit und Gefahr des allgegenwärtigen, breit und unverhohlen in nahezu allen Schichten und gesellschaftlichen Gruppierungen der Bevölkerung akzeptierten rechten Gedankenguts und seiner – wie die nahezu täglichen Vorfälle von Antisemitismus belegen – sich häufenden neonazistischen Auswüchse haben längst Wirkung gezeigt. Ganz im Sinne des aus unseliger Zeit weitestgehend unverändert tradierten antijüdischen Vorbehalts nahezu aller Gesellschaftsrichtungen funktioniert auch die breite gesellschaftliche Delegitimierung und Anfeindung Israels und der irrwitzige Schulterschluss mit dem Antisemitismus des gesellschafts-zerstörenden islamistischen Gedankenguts.

    Von tragenden gesellschaftlichen Gruppierungen genährte Nationalstolz- und Schlussstrichdebatten, die kaum noch zu verbergende Unterstützung der rechten Szene durch Geheimdienst und Polizei, von eigener Schuld ablenkende Schuldzuweisungen an die historischen Rolle und Gegenwartspolitik anderer Nationen sowie die – unter bewusster Weglassung von Ursache und Wirkung – wachsend vorgetragene Larmoyanz über deutsche Opfer vermeintlicher alliierter Kriegsgräuel ergänzen diese gesellschaftlichen Veränderungen in synergistischer Weise.

    In diesem unseligen Trend liegen auch die zur besten Sendezeit ausgestrahlten – wiederum unter Weglassung von Ursache und Wirkung – ausschließlich die Beschwernisse und Verluste der deutschen Bevölkerung und der deutschen Ost-Kolonisatoren schildernden kommerzialisierten Herzrühr- und Tränendrück-Filme wie etwa der Publikumsrenner „Die Flucht“ und die gegenwärtige unsägliche Auszeichnung des Geschichtsklitterungs-Trash-Rührstücks “ Unsere Mütter, unsere Väter „.

    Im gleichen Sinne und teilweise bis zur Verklärung der Nazigrößen wirken die – auf Schaffung menschlicher Nähe zu den Nazi-Schergen zielenden – Streifen wie der „Der Untergang“, „Der Bunker“ oder gar dem Thema völlig unangemessene Schundkomödien wie „Mein Führer“.

    Unterstützt wird diese Verharmlosung und Verdrängung der unsäglichen Verbrechen des Naziregimes sowie der Schuld der Beteiligten, der Profiteure und der Mitläufer durch die zwischenzeitlich inflationierte Anzahl von Fernseh-Talkshows mit altersstarrsinnig uneinsichtigen, vermeintlich viktimisierten, dem fremden Leid gegenüber völlig verhärteten und bezüglich der eigenen Vita wehleidigen Naziveteranen oder deren Witwen.

    Die Saat eines Ernst Nolte, Philipp Jenninger, Martin Hohmann, Norbert Blüm, Martin Walser, Jürgen Möllemann aber auch Walter Mixa und Gregor Hanke sowie ihrer zahlreichen Gesinnungsgenossen ist wirklich aufgegangen.
    Dr. Rafael Korenzecher

  2. ..dachte schon nur ich bin am falschen Dampfer, denn ich finde es skandalös und geschmacklos solch einen Film zu drehen – doch typisch deutsch alles schönreden und blabla – nichts sehen, hören und denken gleich gar nicht..

  3. Hat dies auf meineschafeaktivforum rebloggt und kommentierte:
    ..dachte schon nur ich bin am falschen Dampfer, denn ich finde es skandalös und geschmacklos solch einen Film zu drehen – doch typisch deutsch alles schönreden und blabla – nichts sehen, hören und denken gleich gar nicht..

  4. Wenn Sie einen Simultandolmetscher für Wienerisch parat haben und den dortigen schwarzen Humor (siehe Kreisler) verstehen, probieren Sie’s mal mit dem „Bockerer“. Das ist eine tragische Posse über einen eigensinnigen Wiener Metzger, der nach dem Anschluss ständig in der neuen Volksgemeinschaft aneckt. Als komfortable Identifikationsfigur taugt er aber auch nicht recht, weil er dafür charakterlich zu speziell ist.

    Der Film ist vom „Standard“ als DVD veröffentlicht, aber auch auf Youtube zu sehen. Er hat nicht den Anspruch, realistisch zu sein, erfüllt das aber eher als der ZDF-Schinken. Der Bockerer hat z.B. ein vielschichtigeres soziales Umfeld als die fünf deutschen Helden.

  5. Tja, Rührseliger Film, leicht verdaulich, unterhaltsam und der mit Geschichtsdarstellung nichts zu tun hat, so wenig wie viele andere
    heroisierende Legenden, wie die der Trümmerfrauen, auch so
    wunderbar filmisch festgehalten.
    Aber was will man erwarten, von Nachkommen, die entweder mit
    Schweigen oder Heldengeschichten ihrer Väter aufgewachsen sind
    und alle so beflissen gewesen, eine neue Scheinwelt zu schaffen.
    Störend war immer nur der braune Morast, der sich immer wieder
    zeigte und bis heute nicht ausgemerzt ist.

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