Im toten Winkel – Die selektive mediale Wahrnehmung von Menschenrechten im israelisch-palästinenischen Konflikt

Erinnern Sie sich noch an die Presseberichte vom 23. September 2013? Nein, ich meine nicht das Wundenlecken der Grünen und FDP nach der Bundestagswahl. Auch nicht das Rätselraten welche Koalition nun die Bundesrepublik die nächsten vier Jahre regieren wird. Die Geiselnahme in einem Einkaufszentrum in Nairobi durch Islamisten meine ich ebenfalls nicht. Sie kommen nicht drauf? Machen Sie sich nichts draus, denn medial hat das worauf ich mich beziehe, nie stattgefunden.

Am 23. September 2013 veröffentlichte Amnesty International ein Bericht über Menschenrechtsverletzungen in der Westbank mit dem Titel: „Shut up we are the Police: Use of excessive force by Palestinian Authority in the occupied West Bank“. Darin berichtet AI über willkürliche Erschiessungen, Folter, Inhaftierungen und weiteren Menschenrechtsverletzungen, begangen vom Abbas‘ Sicherheitsappart an der eigenen Zivilbevölkerung.

Kennen Sie Kahleda Kawazbeh? Sie brauchen sich nicht zu schämen, wenn Sie noch nie diesen Namen gehört haben. Kahleda, 44, wurde am 8. Mai 2012 von PLO-Sicherheitskräften bei einer nächtlichen Razzia in einem Dorf in der Nähe von Hebron erschossen. Dabei wurden acht weitere Dorfeinwohner zum Teil schwer verletzt. Medial hat Kahleda’s Tod nie stattgefunden!

Können Sie mit dem Namen George Kanawati etwas anfangen? Wenn nicht, ist es keine Schande. Kanawati ist Direktor vom palästinensischem Radiosender „Radio Bethlehem 2000“. In der Nacht des 10. November 2013 wurde Kanawati’s Haus in Bethlehem von palästinensischen Sicherheitskräften und Geheimpolizisten gestürmt und anschließend verhaftet und gefoltert. Seinem Anwalt wurde der Zutritt zu der Anhörung vor einem Richter verwehrt. Was wurde Kanawati vorgeworfen? Er soll in seiner wöchentlichen Radio-Talkshow in englischer Sprache, Regierungsmitglieder des Abbas-Regime beleidigt und kritisiert haben. Medial hat diese Verletzung der Meinungs- und Pressefreiheit nie stattgefunden!

George und Kahleda sind nur zwei Beispiele für Menschenrechtsverletzungen die tagtäglich in der Westbank von der PA begangenen und von NGO’s (auch AI) dokumentiert, über die Sie aber in deutschen „Qualitätsmedien“ nie etwas hören oder lesen werden. Um doch etwas darüber zu erfahren, muss man schon Google bemühen – mit Betonung auf ‚bemühen‘. Und doch haben wir diese Woche von angeblichen Menschenrechtsverletzungen in der Westbank erfahren dürfen – begangen, wie könnte es auch anders sein, von Juden.

Am Donnerstag veröffentlichte AI ein Bericht über mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen in der Westbank durch die IDF. Es gab kein Media Outlet was nicht darüber berichtete. Man kann sich zurecht an den Kopf fassen, wenn AI bei 45 Toten in 3 Jahren als eine systematisch „von oben geplanten Aktion“ spricht. AI selbst gibt zu „keine Militärexperten“ zu sein, was sie dennoch nicht daran hindert der internationalen Gemeinschaft ein Waffenembargo gegen Israel „zu empfehlen“.

Es entbehrt nicht jeglicher Ironie, wenn ausgrechnet in den letzten Wochen man in der Ukraine sehen konnte, wie „friedliche Demonstranten“ durch „von oben geplanten Aktionen“ ermordet werden. Über 70 Tote (manche sprechen auch von über 100) und hunderte Verletzte in nur nur einer Woche, sprechen für sich.

Nun könnte man Amensty International vorwerfen, dass die der Bericht gezielt zur sog. „Israel Apartheid Week“ publiziert wurde, aber das sollte man nicht. AI ist auf Spenden und somit Aufmerksamkeit angewiesen um als NGO weiter eine Existenzberechtigung zu haben. Und so hat AI das getan, was für sie am erfolgversprechendsten ist: auf den toten Winkel der Medien, wenn es um Menschenrechte im israelisch-palästinenschen Konflikt geht, zu setzen.

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