Deutsche Qualitätsjournalisten über die Fatah-Hamas-Ehe: Israel warnt, diffamiert, behindert, droht und provoziert!

Verfolgte man die gestrige Berichterstattung über die Hamas-Fatah-Ehe, so gelangte man zwangsläufig zu einem Ergebnis: die Existenz des jüdischen Staates ist das Haupthindernis für den Frieden in Nahost.

Wie einfach und schnell ließe sich der Nahoskonflikt lösen, wenn, ja wenn es dieses Israel nicht gäbe. So oder so ähnlich denkt es in den Redaktionen diverser deutscher Qualitätsmedien. Noch bevor es gestern zur Vereidigung der neuen palästinensischen Einheitsregierung aus Hamas und Fatah (Famas) kam, konnte man bereits von Inge Günther in der FR und Berliner Zeitung unter der Überschrift „Abbas trotzt Israels Drohnungen“ folgendes lesen:

„Trotz israelischer Sanktionsdrohungen will der palästinensische Präsident Mahmud Abbas der neuen Einheitsregierung an diesem Montag den Eid abnehmen. Das Kabinett aus parteilosen Technokraten wird sowohl von der gemäßigten Fatah als auch der islamistischen Hamas unterstützt. Die beiden größten Palästinenser-Organisationen hatten sich im April auf ein Versöhnungsabkommen geeinigt, um nach sieben Jahren politischer Spaltung Gaza und das Westjordanland wieder unter eine gemeinsame Führung zu bringen.“

Und weiter heisst es:

„Auch setzte Abbas gegen Einwände der Hamas durch, dass Riad Malki, ein säkularer Linker, der sich früher in der Zivilgesellschaft engagiert hat, weiter als Außenminister fungiert. Drei aus Gaza stammende Kabinettsmitglieder werden an der Vereidigungszeremonie nur per Videokonferenz teilnehmen können. Auf oberste Weisung des Chefs der israelischen Militärverwaltung, Joav Mordechai, wurde ihr Antrag auf eine Reise nach Ramallah abgelehnt.“

Über Israels Reaktion auf die Famas-Regierung schreibt Günther anklagend:

„Unverhüllt warnte Israel auch in einer direkten Depesche an Abbas vor den Konsequenzen, die eine palästinensische Einheitsregierung haben werde. „Sie wollen uns für unsere Vereinbarung mit der Hamas bestrafen, aber die Hamas ist Teil unseres Volkes“, sagte Abbas. „Wir werden auf jegliche israelische Aktion reagieren.““

Nachdem ich das las, bedauerte ich Frau Günther etwas. Mit diesem Talent für Märchenerzählen, ist sie bei der FR fehl am Platz. Als Leiterin des Informationsministeriums der Hamas würde sie eine deutlich bessere Figur abgeben. Schauen wir uns einige Behauptungen etwas näher an.

Frau Günther bezeichnet die vergangenen sieben Jahren zwischen Fatah und Hamas als „politische Spaltung“. Vergleichbar also mit den ganz linken Sozialdemokraten, die sich mit der Gründung der WASG aus der SPD abspalteten. Die Spaltung zwischen Hamas und Fatah hatte jedoch einen kleinen aber feinen Unterschied zur WASG und SPD, nämlich ca. 600 Tote.

Nach dem Wahlsieg der Hamas im Jahre 2006, machten beide Gruppierungen Jagd auf Anhänger und Mitglieder der jeweils anderen. Es ist also kein Zufall, dass in den vergangen acht Jahren die Hamas in Gaza einen Gottestaat nach iranischem Vorbild errichtet hat und im Westjordanland die Fatah die Hamas defacto verboten hat. Aber was soll die Erbsenzählerei, Abspaltung oder „politische Spaltung“, who cares? Inge Günther offensichtlich nicht.

Kommen wir aber zur Kernaussage des Artikels. Inge Günther vermittelt dem Leser den Eindruck, Abbas hätte bei der Regierungsbildung alles erdenkliche unternommen um ein Friedensabkommen mit Israel zu ermöglichen. Parteilose Technokraten sollen dem Famas-Kabinett angehören und ein „Linker“ wird sogar „Aussenminister“, trotz des Widerstandes der Hamas. Zudem lässt Abbas erklären, dass die Famas-Regierung „selbstverständlich im Einklang mit seiner Politik“ Israel anerkenne.

Nur der Judenstaat will da nicht so recht mitmachen. Allem Anschein nach ist es an keinem Frieden interessiert. Stattdessen lässt die israelische Regierung nichts unversucht die Friedensbemühungen der Palästinenser zu unterwandern. So verweigert es die Ausreise von drei aus Gaza stammenden Kabinettsmitgliedern, droht mit Sanktionen und warnt „unverhohlen“ mit Konsequenzen. Verständlich, wenn sich der Leser über Israels Verhalten empört. Wer würde es nicht tun?

Leider lässt Frau Günther einige wichtige Details in ihrer Lobhudelei auf die neue Famas-Regierung aus. Am 20. Mai erklärte der Hamas-Führer Chalid Mashal in Doha: „Hamas hat bereits große Opfer gebracht und das war notwendig um unseren Brüdern [der Fatah] näher zu kommen. Aber mit den Eindringlingen [Juden/Israel] werden wir keine Kompromisse schließen […] Eine Versöhnung bedeutet nicht das Ende des [bewaffneten] Widerstands gegen die Eindringlinge. Der Widerstand wird so lange fortgesetzt wie die Besatzung existiert!“ Klingt etwa so jemand, der Israel anerkennt und an einem Frieden interessiert ist?

Und was ist mit dem Famas-Kabinett? Der ist doch ausschließlich aus parteilosen Technokraten zusammengestellt, zwar mit Hams‘ Segen, aber dennoch gibt das doch Anlass zur Hoffnung, oder? Nein, tut es nicht! Was Frau Günther bei ihrer extatischen Freude über die palästinensische Einheitsregierung auslässt, sind die veränderten Zuständigkeiten des „Innenministeriums“ der PA.

Der „Innenminister“ war bislang für die Koordination der Zusammenarbeit zwischen IDF und den palästinensischen Sicherheitskräften in der Westbank verantwortlich. Die einzige Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinensern, die bislang nahezu reibungslos und relativ erfolgreich funktionierte. Dies wird sich unter der neuen Famas-Regierung ändern.

Mustafa Barghuti, seines Zeichens einer der Vermittler in den Verhandlungen zwischen Hamas und Fatah, teilte dem israelischen Nachrichtenportal ‚nrg‚ am Montag mit, dass der Zuständigkeitsbereich des kommenden „Innenministers“ in einer künftigen Famas-Regierung stark eingeschränkt werde. Demnach wird ein mehrköpfiges Gremium – vergleichbar mit einem Sicherheitskabinett – bestehend aus Hamas- und Fatah-Mitgliedern zukünftig über die Sicherheitspolitik in Gaza und der Westbank bestimmen.

Die Hamas macht kein Geheimnis daraus, was sie von der Koordination zwischen Israel und der PA hält. Erst Ende des vergangenen Monats forderte Chalid Mashal, dass die Sicherheitskoordination mit Israel „das erste sei was man nach der Bildung einer Einheitsregierung beenden müsse“. Zudem erklärte Der Sprecher der palästinensischen Sicherheitskräfte in der Westbank, Adnan Al-Damiri, dass die PA sich mit der Beendigung der Zusammenarbeit [mit der israelischen Seite] ausführlich beschäftigen wird.

Dies ist alles seit Tagen und Wochen bekannt. Inge Günther aber gefällt sich in ihrer Rolle als Botschafterin der palästinensischen Friedensbewegung zu sehr um das auch noch in ihrem Artikel unterzubringen. Stattdessen wird erwähnt, wie der unbeugsame Abbas sich den Drohnungen der Israelis entgegenstellt und als unverbesserlicher Patriot erklärt, dass „… die Hamas ein Teil..“ seines Volkes ist.

Das klingt fast wie „Wir sind das Volk!“. Sowas löst umgehend Sympathien beim deutschen Leser aus. So schlichte Erklärungen für komplexe politische Realitäten wie in der Frankfurter Rundschau, lassen sich nur noch in palästinensischen Schulbüchern finden.

Angenommen morgen entscheidet Cameron mit der UKIP eine Einheitsregierung zu bilden weil 1/4 der Briten bei der EU-Wahl für sie stimmten. Würde die FR auch so begeistert reagieren? Immerhin gehören die Mitglieder von UKIP ähnlich wie die der Torys zu einem Volk.

Oder was wäre wenn Hollande morgen erklärt, dass man mit Le Pen’s Front Nationale eine Koalition eingeht. Würden bei der Frankfurter Rundschau die Sektkorken knallen? Sicherlich weiß man auch dort, dass sowohl die Sozialisten als auch FN Franzosen sind.

Was ist wenn die CDU plötzlich entscheidet auf landesebene mit der NPD zu koalieren, sagen wir z.B. in Sachsen. Wäre in der FR-Redaktion Business as usual angesagt? Denn sowohl die Mitglieder der CDU als auch die der NPD gehören eindeutig einem Volk an.

Ja, ich gebe zu diese Vergleiche hinken, sind polemisch und übertrieben. Denn im Gegensatz zur Hamas, haben weder UKIP noch FN oder die NPD knapp 2.000 Zivilisten ermordet und in acht Jahren über 15.000 Raketen auf Kindergärten, Schulen und Wohngebieten regnen lassen. Und mit solchen Parteien koaliert man nicht und führt schon gar keine Gespräche. Aber bei einer islamistischen Terrororganisation, die in ihrer Charta zur Ermordung aller Juden (Juden, nicht Israelis!) aufruft, sollte der Israeli mal Fünfe gerade sein lassen und über seinen Schatten springen.

Stattdessen „diffamiert“ der Hardliner Netanyahu Abbas und setzt noch einen drauf, indem er ihn mit Fakten über Hamas „provoziert“. Und zwar mit einem Tweet:

Daraufhin brennen bei der Al-Alster-Brigade von SPON alle Sicherungen durch und unter der Überschrift „Netanjahu provoziert Abbas mit Selbstmordattentäter-Tweet“ wird verkündet:

„Blutrot ist der Grund, auf dem Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hocherfreut neben dem lachenden Hamas-Premier Ismail Hanija abgebildet ist. Darunter ist ein Linienbus zu sehen, angeblich zerstört von Selbstmordattentätern der Hamas, die für den Tod Hunderter Israelis verantwortlich seien. Mit dieser Fotomontage hat die israelische Regierung auf dem Twitter-Account @IsraeliPM auf die neue palästinensische Einheitsregierung reagiert.

„Triff Präsident Abbas‘ neue Partner“, heißt es auf dem Bild. Und drunter steht: „Hamas‘ Selbstmordattentäter ermordeten Hunderte Israelis.“ Damit diffamiert Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Palästinenserpräsident Abbas.“

Net.tweet

Schreenshot: Bei SPON brannten gestern Abend alle Sicherungen durch

Aus diesem Schwachsinn lernen wir drei Dinge:

1. Die SPON-Redaktion ist noch nicht davon überzeugt, dass die Hamas die Verantwortung für den Anschlag auf dem abgebildten Linienbus trägt. Denn nur „angeblich“ war es ein Anschlag der Hamas. Gleichgültig ob die Hamas sich schon immer voller Stolz zu jedem Terroranschlag bekannte. Egal, dass jeder Hamas-Terrorist der ganzen Welt auf ein kurz zuvor aufgenommenes Video von den 72 Jungfrauen, die im Paradies auf ihn warten, berichtet. Die Al-Alster-Brigaden wissen es besser. Vermutlich werden israelische Busse so schlecht gewartet, dass sie schon mal dazu neigen spontan in die Luft zu gehen.

2. „Zerstört“ wurde lediglich ein Bus. Dass dieser Linienbus Zivilisten transportierte, ist für SPON nebensächlich.

3. Nichts von dem was das Bild zeigt und beschreibt ist falsch. Die Hamas ist Abbas‘ neuer Partner. Die Hamas ist unmittelbar für den Tod hunderter israelischer Zivilisten verantwortlich. Und doch erklärt dies SPON zu einer Diffamierung Abbas‘.

Für SPON ist also ein Tweet mit 100%igem Wahrheitsgehalt eine „Provokation“ und eine Schlagzeile wert.

Zur selben Zeit eriegnete sich in der wirklichen Welt etwas, über das der Leser bei SPON nichts finden wird:

„Security forces killed a Palestinian gunman who opened fire on Israeli troops and wounded a Border Policeman late Monday at Tapuah junction, days after Israeli forces at the same site thwarted an attempted terror attack.“JPost.com

Die Vermutung liegt nahe, dass der erschossene palästinensische Schütze und der zuvor lebend festgenommene Terrorist, sich ebenfalls von der Anwesenheit der Juden „provoziert“ fühlten.

Der Ton der gestrigen Berichterstattung über die Famas, lässt nur einen Schluß zu: Israel ist das Haupthindernis für den Frieden in Nahost. Ein Staat, der seit dem 14. Mai 1948 durch seine bloße Existenz seine arabischen Nachbarn zu Kriegen, Terroranschlägen und Judenhass provoziert, darf man nicht so leicht davon kommen lassen. Erst recht, wenn man ein deutscher Qualitätsjournalist ist!

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2 Gedanken zu “Deutsche Qualitätsjournalisten über die Fatah-Hamas-Ehe: Israel warnt, diffamiert, behindert, droht und provoziert!

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