RTL II reist nach Jerusalem

Heute Abend strahlte RTL II eine neue Folge von „Promi Frauentausch“ aus. Dabei begab sich das Produktionsteam nach Israel. Die Absicht war gut, aber leider inkonsequent.

Kennen Sie die Rapperin Kitty Kat (31)? Wenn nicht, dann ist das nicht so schlimm. Auch ich kannte die „most famous female rapper in Germany“ bis heute nicht. Kitty nahm an der RTL II Doku-Soap „Promi Frauentausch“ teil. Getauscht wurde mit „Eis am Stiel“-Legende Zachi Noy. Während Zachi auf Kitty’s Bauernhof in Österreich verfrachtet wurde, betrieb die Rapperin Aliyah und verbrachte zehn Tage bei Zachi’s Familie in der israelischen Stadt Herzlia.

Kurz den Inhalt der Folge zusammengefasst:

Kitty kommt an einem Freitag bei den Noys an. Als sie wissen möchte was so ansteht, ob Party gemacht wird am Wochenende, erklärt ihr das einzige Familienmitglied, der der deutschen Sprache mächtig ist, dass heute „Shabbat ist in ganz Israel. Das ist ein heiliger Tag!“. Kitty ist peinlich berührt, dass sie noch nie was von Shabbat gehört hat und hilft sogleich den Tisch für den heiligen Tag zu decken. Nach der Segnung des Weins, wird der Rapperin noch schnell erklärt was kosher bedeutet. Anschließend äussert sich Kitty begeistert über die Gastfreundschaft der Noys und freut sich auf das „Abenteuer Frauentausch“.

Am zweiten Tag wird die die Rapperin von Zachi’s Tochter in eine Synagoge entführt. Als ein Mann Kitty eine Kerze zu Gedenken an die Opfer der Shoah zeigt, bricht sie in Tränen aus und bittet um Vergebung „für das was mein Land getan hat“. Der verduzte Mann versucht sie zu beruhigen und ihr zu erklären, dass „ihre Generation hat doch keine Schuld“. Kitty ist mächtig beeindruckt von dem Besuch in der Synagoge, da sie „noch nie zuvor in einer war“.

Anschließend reist sie nach Jerusalem, wo sie ein Zettel mit einem Wunsch in „die Ritzen der Klagemauer“ hineinsteckt. Zum Schluß möchte Kitty dann Ihren Gastgebern etwas gutes tun. Mit einem Kaiserschmarrn sollen sie verwöhnt werden. Auf dem Weg zum Supermarkt meldet sich die RTL II-Stimme aus dem Off und verkündet, dass Kitty gleich „die nicht so schöne israelische Realität“ kennenlernen wird. „Die nicht so schöne israelische Realität“ ist ein Sicherheitsmann an dem Eingang zum Supermarkt, der Kitty bittet ihm den Inhalt ihrer Tasche zu zeigen. Kitty ist anschließend „schockiert“, weil es sowas „bei uns in Deutschland nicht gibt“.

Zachi durfte derweil aus der „unschönen israelischen Realität“ ausbrechen und in Österreich einen Song aufnehmen, Hühner füttern, in der Dorfdisko auftreten und sich von Kitty’s Freunden als „cool“ feiern lassen. Das ist wohl die schöne Deutsch-Österreichische Realität.

Soweit die kurze Zusammenfassung. An sich hat RTL II etwas vollbracht, was die ÖR noch nicht geschafft haben, nämlich eine durchschnittliche israelische Familie zu zeigen die weder in einer „Siedlung“ lebt, noch Ultra-Orthodox ist oder gar als einziges Thema den Iran und die Palästinenser im Sinn hat. Eine sympathische Familie wie sie auch in Buxtehude vorkommen könnte, wenn man nicht gerade wüsste, dass sie in Herzlia lebt.

Jedoch war RTL II nicht ganz konsequent mit der Sendung. Es war zwar schön zu sehen, dass Israel nicht auf das übliche Bild in den Medien reduziert wurde, aber man hätte nicht bei dem bleiben müssen was man im Gegensatz zu den ÖR nicht gezeigt hat (Orthodoxe und Siedler), sondern man hätte ruhig weiter gehen können und Kitty durchaus auch in ein Cafe in Tel Aviv (15km von Herzlia entfernt) filmen könne. Vielleicht hätte man der Rapperin auch ruhig zugestehen können, sich in das Nachtleben der Stadt einzumischen und – wie Zachi Noy in Österreich – sie in einem israelischen Club mal rappen zu lassen. Hier hat die Redaktion eine Chance vertan. Die Chance den alltäglichen Israeli zu zeigen, der nicht nur von Religion und dem Nahost-Konflikt bestimmt ist, sondern ein Mensch den man durchaus auch in Berlin, München, Hamburg oder Frankfurt begegnen könnte. Desweiteren hätte man dem Zuschauer ruhig erklären können weshalb es einen Sicherheitsmann vor einem Supermarkt in Israel gibt. Das es daran liegt, dass in der Vergangneheit palästinensische Selbstmordattentäter solche „Soft Targets“ öfters ins Visier nahmen und dabei überwiegen Frauen und Kinder ermordet wurden.

Alles in allem war es eine unterhaltsame Sendung, die jedoch nicht konsequent zuende gedacht wurde. Im Vergleich mit anderen Sendern, die nur ein Israel als Konfliktland zeichnen, war es jedoch ein Meilenstein.

Video: Promi Frauenentausch – Zachi Noy/Kitty Kat

Anm.: Dieser Text wurde am 29.04.2013 überarbeitet!

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